Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert im Februar 2012.
Sie dient nach wie vor als Dokumentation des Projekts "Wachtraumbilder", das vom 28. Juni 2010 bis zum 28. Juni 2011 durchgeführt wurde. Unter "Neuigkeiten" finden Sie aktuelle Ausstellungen, in denen die Wachtraumbilder zu sehen sind oder Ankündigungen und Informationen zu Folgeprojekten und Arbeitsgebieten, die aus diesem Projekt der Wachtraumbilder entstanden sind!

- Rosendeva III - Wachtraumbild Juni 2011
Das Projekt:
Mein Konzept:
Ich wache auf…
wohliger Zwischenzustand…
frei,
Ich darf ankommen – und wenn ich will noch einmal kurz zurück spüren dorthin, wo ich gerade noch war… diesen Zwischenzustand festhalten wollend zwischen Träumen und Wachen, zwischen Zeit und Raum stehe ich auf, wandere zum Arbeitstisch. Dem allmählichen Zurückkehren meines Tagbewusstseins im Wechsel mit dem noch herein wirkenden Traumbewusstsein Ausdruck gebend in einer Zeichnung auf dünnem Pergament wähle ich dann eine Farbe, angerührt in wässriger Lösung, die für mich noch einmal die Grundstimmung, mit der ich heute aufwachen durfte, in mein Arbeiten holt. Nun wird alles auf einer Rostplatte geerdet; ankommen im Festen, Stoffliche, - umhüllt mit Licht und Wärme, die im Bienenwachs gespeichert ist und mit der Zartheit eines jeden Neubeginns, mit weißer Seide, die in Bienenwachsgetaucht ist…
So begrüße ich den Morgen, konzentriere die Ruhe, die Reinheit, die Kraft und die Liebe, die in ihm liegt und für mich/für uns jeden Tag neu bereit ist…
Dies ist meine tägliche Morgenmeditation, mein Morgengebet, und weil ich Künstlerin bin, findet diese Meditation, dieses Gebet, eine visuell, materielle Ausformung und Erscheinung.
Mein Arbeitsprozess ist die bildhafte „Niederschrift“ dieses Gebets, das sich in einen inneren Dialog entwickelt zwischen mir und allem, was sich mir aus meinem Umfeld in diesem Moment mitteilen möchte.
Jeden Morgen gehe ich also an meinen Arbeitstisch und beginne so meine tägliche Arbeit. Ich stehe dafür um 5:00 Uhr morgens auf, natürlich ohne Wecker, ohne Fremdbestimmung und bevor die Familie mich braucht oder das Telefon klingeln könnte…
Jeden Tag, das ist wichtig.
Jeden Tag neu bewusst ankommen und die Arbeit aufnehmen…
Der Selbstverständlichkeit der täglichen professionellen Arbeit als Künstlerin Ausdruck verleihen ist ein Zeichne, das ich mit diesem Projekt setzen möchte.
So wie andere für ihre Arbeit jeden Tag ins Büro, in die Schule, in die Praxis oder zum Kunden fahren, starte ich mein individuelles Mosaik der vielschichtigen Arbeit eines Künstlers/einer Künstlerin mit dem Weg zum Arbeitstisch, auf dem meine für dieses Projekt vorbereiteten Materialien auf mich warten.
Begonnen hat dieses Projekt eigentlich schon vor genau 18 Jahren während meiner Studienzeit an der Hamburger Kunstakademie. In dieser Zeit begann ich damals, um mich bewusster mit meinen Träumen zu befassen, bereits schon einmal solch einen Prozess des täglichen morgendlichen Zeichnens, und ich nannte diese Zeichnungen „Traumzeichnungen“. Über etwa ein halbes Jahr fesselte mich diese Arbeit. Da ich damals aber den unglaublichen Freiraum einer Studentin besaß, die sich einfach nur den ganzen Tag ihrer selbst bestimmten Arbeit widmen durfte, wurden die Zeiträume dieses „kultivierten Zwischenraums“, meines Zwischenzustands zwischen Wachen und Träumen immer länger, intensiver und reicher. So zeichnete ich manchmal bis mittags viele Zeichnungen hintereinander. Ich zeigte die Zeichnungen dem Professor, in dessen Klasse ich damals eingeteilt war. Sie waren das erste meiner Arbeit, zu dem er überhaupt einen Zugang finden konnte.
Weil mittlerweile aber zuviel von meiner „normalen“ Tageszeit, und meinem Tagbewusstsein für dieses Projekt benötigt wurde, und ich oft noch nachmittags im Schlafanzug am Arbeitstisch stand und im tranceähnlichen Zustand zeichnete, beendete ich diese Arbeit nach etwa einem halben Jahr.
Es blieb offen. Die Traumzeichnungen begleiteten mich die vielen Jahre hindurch und ich wusste, dass ich diese Arbeit irgendwann in einer geraffteren Form noch einmal aufnehmen würde…
Die Materialebene:
das Butterbrotpapier: mein aus dem Alltag gegriffenes „Pergament“, eine zarte
Zwischenschicht, leicht, fast durchscheinend
die Wasserfarbe: „konserviert“ das Grundgefühl mit einer Grundierung des Pergaments
Wasser: Element des Lebendigen, Fluktuativen, Wandelbaren
Grafit: zeichnet auf das Pergament die Linie, die einen Ausdruck fixiert. Im Zeichnen
inkarniert das Tagbewusstsein. Grau enthält alle Farben…
die Rostplatte: ich komme auf der Erde an, im Stofflichen, Schweren, Harten, Kühlen..
An der Metallplatte haben bereits die Elemente
gearbeitet und sie transformiert. Luft und Regen, Wärme und Licht
haben sie mit der zarten Rostschicht überzogen, die wie „der
Blütenstaub der Erde“ alles schon weich und warm macht.
Asche: Transformationskräfte werden eingerieben
das Seidentuch: umhüllt zart… Das Seidentuch ist in Bienenwachs getaucht und wird
über alles gelegt.
das Bienenwachs: speichert Licht und Wärmekräfte, umhüllt mit denselben; alles wird
weich und glatt, wie eine schützende Haut legt es sich über alles
die Ölkreiden: stärken die Wärmehülle, setzen Betonungen
übergeordnete Materialien:
die Elemente:
Erde: vertreten durch die Metallplatte, den Rost
Feuer: vertreten durch die Asche und das Bienenwachs, das nur unter Zuführung von
Wärme verarbeitet werden kann und selbst Wärmespeicher ist
Wasser: wird direkt angewendet im Anrühren der Farbe für die Grundierung des
Pergaments
Luft: wirkt direkt in den Rostprozessen, durch Sauerstoffverbindungen wird das Metall
zersetzt, aufgebrochen...Luft ist weiterhin vertreten im Licht durchfluteten
Bienenwachs, im zarten Pergament, das auf jeden Windhauch reagiert und dadurch
jedes Lüftchen sichtbar macht.
Das Wort: hat Schöpferkraft, konzentriert Botschaften, begleitet durch den Tag…
Manchmal finden Worte in meine Arbeiten, die fixiert werden wollen, lesbar
oder unlesbar… Das Wort wird eingeschrieben z. B. ins warme und noch
weiche Bienenwachs, manchmal bleibt es auch lesbar als Begleittext zur
bildnerischen Arbeit.
Die Farbe: ist geistige Kraft und Seelenausdruck…verbindet uns mit Natur und Kosmos…
Die inhaltliche Ebene:
Kunst heißt für mich „Begegnung“ und „Kommunikation“. Begegnung anhand und durch die Kunst zu schaffen, zu inszenieren, das ist ein wichtiger Teil meines künstlerischen Weges.
Deshalb steht auf meinem Schild neben dem Eingang zum Atelier und zur Kunstwerkstatt:“
atelier-2
Raum für Kunst und Begegnung
Die „2“ steht deshalb dort, weil man für eine echte Begegnung immer 2 braucht: 2 Menschen, die sich wirklich wahrnehmen und aneinander echtes Interesse haben, begegnen sich im Gespräch, in gegenseitiger Wahrnehmung, in Wachheit, Offenheit, Zuwendung, Liebe… mit aller Verletzbarkeit und Stärke, die zu solch einem Augenblick gehört…
„Raum“ heißt auch immer „Zwischenraum“. Zwischenräume zu kultivieren ist ein Thema von mir. Der Zwischenraum, dem dieses Projekt gewidmet wird, ist jener zwischen Träumen und Wachen, der meiner Erfahrung nach für eine wache und bewusste Kommunikation mit dem eigenen Umfeld aktiv genutzt werden kann. Der Begriff „Umfeld“ erstreckt sich in diesem Zusammenhang bis in kosmische Weiten.
Raum und Begegnung bedingen sich gegenseitig. Es gibt keine Begegnung ohne die Wahrnehmung des Raums dazwischen. Umgekehrt wird durch die Wahrnehmung der beiden „Pole“, die eine Begegnung ausmachen, ein neuer Raum dazwischen geschaffen.
Zwei Menschen treten in Begegnung und der Zwischenraum entsteht, der Resonanzraum zwischen diesen beiden Menschen wird erst durch echte Begegnung geschaffen. Das ist das neue Kunstwerk. So entsteht Beziehung. Diesen Resonanzraum pflegen wollen, kann ein sozialer Impuls in der Kunst sein, denn schließlich ist das ganze Leben Beziehung.
Es geht also um Begegnung zwischen 2 Menschen, zwischen Mensch und Bild und Bild und Mensch, zwischen ich und du, du und ich, ich und dem Selbst, ich und höherem ich und zwischen ich und allem, wirklich allem, was sich durch ein Bild äußern will. Das gilt für dessen Erschaffung wie auch dessen Betrachtung. So können mit der Resonanz , die im Dialog mit dem Bild im Innern des Menschen zum Schwingen kommt, Engel sprechen, Elementarwesen, Schöpferkräfte, Herzkräfte, Lichtkräfte… Dies sind Impulse meiner Arbeit.
So verstehe ich auch die Inszenierung einer Ausstellung: für mich sind es Begegnungsräume, die geschaffen werden, bei denen der Künstler/die Künstlerin einlädt zu Begegnung in der eben beschriebenen Grundhaltung. Das soziale Gesamtkunstwerk wird hierbei aus allen Beteiligten geschaffen.
Weil die Inszenierung bei meinen Atelierausstellungen, die ca. 3 mal im Jahr stattfinden, ganz in meiner Hand liegt, und die Bilder und Objekte darüber hinaus an dem Ort ihrer Entstehung gezeigt werden, sind mir neben meinen Wanderausstellungen an anderen Orten, diese hier besonders wichtig.
Darüber hinaus suche ich für meine Arbeiten einen Galeristen/eine Galeristin, um weiterhin die Wachtraumbilder "in die Welt zu bringen".
Ines Trost, Juni 2010